Villa Wendland – endlich zuhause

Durchhalten ist eine Charakterstärke. Kathrin Grasnick hat lange durchgehalten. Im Widerstand, im Wendland, in guten und in schlechten Zeiten. Und wer ihr zuhört gewinnt den Eindruck, dass sie auch dieses Mal durchhalten wird.

Ihr Wunderpunkt liegt etwas abseits von Güstritz. Eingebettet zwischen Feldern, Äckern und dem großen Nichts liegt die Villa Wendland. Und da liegt ihr Wunderpunkt.

Die Villa im Gründerzeitstil in zartrosa, heute ein Hotel , der große Garten in protzigem Grün, die Sonnensegel schon etwas bleich aber immer noch rot und all das: unbevölkert.

Corona schließt auch in der Villa Wendland die Tore. Corona verhindert auch hier den wuseligen Auflauf von Menschen. Die Villa Wendland ist einer der größeren Wunderpunkte und doch keiner. Grasnick ist Aussteiger. Ihre Mutter, die bewarb sich als Lebenskünstlerin um Aufnahme in der Kulturellen Landpartie wollte und die Villa Wendland zum Treffpunkt und Kulturzentrum entwickeln. Die Tochter übernahm das Projekt und stand doch immer in ihrem Schatten. Kümmerte sich und jetzt, acht Jahre später, fühlt sie sich angekommen. „Ich habe einen guten Platz geschaffen“, gibt sie sich selbstbewusst.

Der Virus verhindert, und das nimmt Grasnick offensichtlich mit, dass die Bands und Gaukler mit ihrer Musik und Kunststücken die Menschen zum Klatschen, Tanzen und Lachen bringen. Sie fürchtet um das Wegbrechen von Infrastrukturen. Wo Bars und Festivals veröden, entsteht so schnell nichts neues. In der Zwischenzeit geht dem Kunstbetrieb die Luft aus und wer soll dann noch auf der Bühne der Villa Wendland spielen?

Das Schicksal der Künstler scheint sie mehr zu verstören, als die Tatsache, dass auch ihre eigene Existenz längst nicht mehr so stabil ist, wie es Anfang des Jahres noch schien. Sie habe viel Unterstützung erfahren von den Leuten, den Gästen und den Nachbarn. Ende April mochte sie die Stimmung im Wendland. So voller Anteilnahme und Aufmerksamkeit könnte es eigentlich immer sein. Aber, das ist ihr klar: Die Zeiten werden sich ändern.

Es werde rauher werden, wie es schon damals nachdem die Flüchtlinge kamen. Anfangs Willkommenskultur, später Brandandschläge. „Die Geduld reicht nicht lange“, prophezeit sie – aber bis dahin genießt sie das Wendland und die Solidarität um sie herum und denkt über den Kampf für die Kulturelle Landschaft nach.

Vielleicht ist es das, was zählt: Wer solidarisch denken kann, darf in schwierigen Zeiten auf Solidarität zählen. Das allein ist ein politischer Gedanke, der nicht jedem in die Wiege gelegt ist.

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