Sallahn

Im Dorf mit dem Dorf

Der Wunderpunkt Sallahn liegt mitten im Dorf. Die Holzpolder halten Gäste vom unbeabsichtigten Falschparken ab, dafür steht der Parkplatz des Schützenvereines den Gästen zur Verfügung. Ein paar Schritte über die K8 müssen zumutbar sein, findet Gerd Büttner, der zusammen mit seiner Familie im Hof lebt.

Er steht hinter der Absage der KLP und geht davon aus, dass der Rat und die beteiligten Gremien sich die Entscheidung mit Sicherheit nicht leicht gemacht haben. Er selbst sieht die Absage recht entspannt, erkennt aber die Probleme der betroffenen Künstler. Für die sei die Idee der virtuellen Landpartie ein Hauptgewinn, obwohl er selbst mit diesem ganzen Onlinekram nix zu tun habe. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es nicht mal eine gemeinsame Webstite der KLP, weil es einfach zu großflächig werde.

Er stellt sich vor, Besucher stünden auf dem Hof und jemand aus dem Dorf stecke sich an, erkranke im Anschluss. „Ich glaube, dann würde ich aufhören“, meint er. Gegen das Dorf könne der Wunderpunkt nicht bestehen. Das ginge nur mit dem Dorf auch wenn nicht alle zu hundert Prozent dahinter stehen. Gerd sagt: „Wer nicht aktiv teilnimmt, für den ist der Trubel bestimmt schwer zu ertragen“.
Hin und wieder stellt er sich vor, wenn er auf der „anderen Seite“ stünde, er selbst seinen Wunderpunkt schließen und dafür jemand anders im Dorf einen Punkt öffnen würde. Gedankenpause, und dann: Für Sallahn geht das nur mit Rücksichtnahme und Verständnis.

Gerd sagt von sich selbst, dass er nicht der Schnellste sei, wenn es darum ginge bestimmte Dinge anzugehen. Diese Mal ist er der schnellste. Die Einladung zum Gespräch für die virtuelle Landpartie war noch keine 24 Stunden im Briefkasten, da hatte er schon einen Termin mit uns gemacht. Er war der erste und konnte es selbst kaum glauben.

Als Trittbrettfahrer gestartet

Seit der Absage der Landpartie ist zum Zeitpunkt des Interviews fast genau ein Monat vergangen. Für den Wunderpunkt in Sallahn wäre es die 21 KLP gewesen. Wir sitzen mit dem gebotenen Abstand in der Sonne und trinken Kaffee. Überhaupt der Kaffee. Seines Wissens nach stand die erste Espressomaschine der Landpartie auf dem Wunderpunkt in Sallahn, erklärt er nicht ohne Stolz.

1999 startete Gerd mit damals drei Mitstreitern den Traum vom eigenen Wunderpunkt. Damals noch inoffiziell, als Trittbrettfahrer wie er sagt. Eigentlich wollte man es nur mal ausprobieren. „Dann waren zehn Leute auf dem Hof und wir waren komplett überlaufen“, erinnert er sich und ergänzt lachend: „Weil wir nur mit unseren Freunden gesprochen haben.“

Mittlerweile sei etwas mehr System in den Abläufen und mehr Platz gäbe es auch und daher gehe in der letzten Zeit vieles einfacher von der Hand. Mittlerweile sind Sallahn aber auch um einiges gewachsen, nicht nur was die Besucher angeht. Klar, der Strom breche immer noch hin und wieder zusammen, Maschinen gehen kaputt aber davon abgesehen es sei es deutlich weniger Chaos als zu Beginn. Man sei kein Servicepunkt, keine Raststätte und die Gäste wüssten, dass man teilweise etwas Geduld mitbringen müsste wenn die Kaffeemaschine mal wieder kurz vorher ausgefallen sei und ausgetauscht oder repariert werden müsse. Gerd lacht bei der Einlassung, dass die meisten Geschichten wohl der Typ vom Gesundheitsamt erzählen könne. Deren Vertreter kommen vorbei und schwingen nicht nur die Verbotskeule sondern mit praktischen Hinweisen Lösungen aufzeigen und das mag Gerd.

Die Leute kommen, weil sie wissen: Ihre Freunde sind auch da!

Gerd Büttner, Wunderpunktbetreiber Sallahn

Dass im Laufe der Jahre immer mehr Menschen die KLP besuchen sei Fluch und Segen. „Die KLP läuft einfach, egal was für ein Wetter ist und was passiert. Andere haben versucht das zu kopieren aber nirgendwo hat das geklappt“, ist Gerd überzeugt.
Der Grund dafür läge auf der Hand: Gorleben.
Zulauf, Kontinuität, Vielfalt der Aussteller – das sei schon einmalig.

Was macht die KLP aus? „Die Leute kommen, weil sie wissen: Ihre Freunde sind auch da! Hat man sich im vergangenen Jahr an einem bestimmten Punkt getroffen und wird sich dort im nächsten Jahre auch unverabredet treffen.“

Dann also im nächsten Jahr auf einen Kaffee in Sallahn.

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