Zeetzer Mühle

… oder ein Sack trockenes Holz

Es so schwer, nicht voreingenommen zu sein. Das liegt nicht zuletzt an der Stimmigkeit der Szenerie. Bevor der Kirchweg von Püggen nach Zeetze endet, lichtet sich die Allee, der Kies knirscht unter den Füßen, Amseln zwitschern, Bachgeplätscher. Es könnte geradezu kitschig sein, wie sich die alte Mühle durch das Grün abzeichnet. Ist es aber nicht. Das richtige Wort wäre: natürlich!

Aber Vorsicht! Wer als kosmopolitischer Großstädter eine romantische Wassermühle vor sich sieht, denkt eher an Schöner Wohnen und Landhausparkett mit einem restaurierten Bachstein am bodentiefen Flügelfenster.

In der Mühle wohnt die Familie Martens-Breckheimer, Vater Thomas, Mutter Elke, Tochter Marlen – alles Musiker. Wie passend, denn schon früher wurde in der Zeetzer Mühle Musik gemacht und getanzt. In genau diesem Raum, der Tanzdiele, wird heute vor allem Konzerten gelauscht.

„Natürlich Geige“, antwortet Marlen fast entrüstet auf die Frage, was sie denn für ein Instrument spiele. Natürlich? Vater und Mutter spielen Harfe. Ihre 17jährige Tochter begleitet sie bei Konzerten, ist neben ihrer Mutter selbst Teil eines ständigen Quintetts. Marlens Vater Thomas Breckheimer ist bekannt für sein Harfenkonzerte und nicht zuletzt für seine Harfenkurse. Mutter Elke würde wie ihre Tochter auch noch gerne Geige lernen, schreibt aber gerade an einem Theaterstück und hält mit beiden Händen alles zusammen.

Aufräumen, philosophisch betrachtet

Seit Corona ist das Leben der Musikerfamilie aus dem Lot geraten. Man sei schwierige Zeiten gewöhnt, zeigt sich Elke Martens versöhnlich aber schwere Zeiten sind eben auch schwere Zeiten – ohne wenn und aber. Dazu kommt der überraschende Krankenhausaufenthalt von Vater Thomas („nicht Corona!“), was wegen des Besuchsverbotes von Familienangehörigen schon verstörend genug wäre.

Üblicherweise spült die Kulturelle Landpartie ab Himmelfahrt die Gäste in die Mühle und zeichnet das Leben in der Jahreszeit angemessenen, üppigen Aquarellfarben. Die Absage der Veranstaltung skizziert den Frühling mit Bleistiftstrichen. Keine Konzerte, keine Termine, auch nichts in Sicht.

Dafür stehe der Garten an. Die Zucchini müssten in die Erde und endlich mal entrümpelt und aufgeräumt werden. Aufräumen, philosophisch betrachtet, wie Elke Mertens anmerkt, sei das beste, was sie jetzt tun könne. Es helfe ihr sich zu fokussieren. Die Musiktherapeutin in ihr scheint zu wissen, wie wichtig Fokussieren in Krisenzeiten ist.

Tochter Marlen bewältigt den Lokdown-Schulalltag einer 17jährigen wie viele ihrer Altersgenossen. Anders als die meisten Gleichaltrigen ahnt sie aber, was ihr persönlich in diesem Frühling ohne KLP fehlen wird: das Zelten mit Freunden, die vielen Menschen in der Gaststube, der Geruch nach frisch gebackenen Kuchen und die gemeinsame Musik.

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